Gemeinde Groß Molzahn

Groß Molzahn und die Grenze Drucken E-Mail

Das Dorf Groß Molzahn war nicht direkt von Grenzziehungen und Veränderungen auf Landesebene in der laufenden Geschichtsentwicklung betroffen. Im 15. Jahrhundert wurde die Gemeinde durch das Bistum Ratzeburg verwaltet, landeshoheitlich regiert durch Mecklenburg-Strelitz (Westfälischer Frieden 1648).

1918 wurde das Fürstentum Ratzeburg umbenannt in Land Ratzeburg, ohne Grenzziehungen oder Veränderungen vorzunehmen. Erst 1937, mit dem erlassenen Groß-Hamburg-Gesetz, ging auch die Verwaltung des Landes Ratzeburg verloren und wurde dem Kreis Schönberg angegliedert.

Ab Juli 1945 gehörte Groß Molzahn zur sowjetischen Besatzungszone und hatte an der östlichen Gemeindegrenze (Waldrand Dechower Zuschlag) die Landesgrenze zu Schleswig-Holstein (Kreis Herzogtum Lauenburg). Diese Grenze wurde dann im November 1945 durch das Barber-Lyaschenko-Abkommen verändert und die Demarkationslinie neu festgelegt, so dass Groß Molzahn von nun ab nicht mehr direkt an einer Landesgrenze lag.

Das Dorf Lankow, das zur Gemeinde Groß Molzahn gehörte, lag nun unmittelbar an der Demarkationslinie zur britischen Besatzungszone.

Auf Befehl der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) in Mecklenburg wurde vom 26. bis 30. November 1946 die Grenzpolizei in einer Stärke von 375 Mann für diesen Grenzabschnitt von Schattin bis Kneese aufgestellt. Die erste Dienststelle wurde in Campow mit 8 Mann eingerichtet. Die Polizisten waren bei den Bauern in den Dörfern untergebracht und hatten dafür 45 Mark Miete im Monat zu bezahlen. Das Monatseinkommen betrug damals 180 Mark.

Von 1947 bis 1948 wurden dann auch Kommandostellen in Schlagsdorf, Lankow, Neuhof, Schlagbrügge, Thurow, Horst und weiteren Ortschaften eingerichtet.

Mit Gründung der DDR im Oktober 1949 wurde die Demarkationslinie zur Staatsgrenze, und am 26. Mai 1952 wurde eine Polizeiverordnung über die Einführung einer besonderen Ordnung an der Grenze erlassen. Es wurden Sperrgebiete festgelegt und Anordnungen über das Verhalten an der Grenze erlassen. Entlang der Grenze wurde ein 10m Kontrollstreifen angelegt. In der Zeit von November 1949 bis 1952 war in den Grenzkommandanturen auch eine Grenzkriminalpolizei eingerichtet worden.

Groß Molzahn wurde später in die 5 km Sperrzone eingegliedert, und die Bewohner waren von den Anordnungen und Weisungen betroffen, die das tägliche Leben einschränkten. Anwohner erhielten einen Registriervermerk im Personalausweis. Besucher erhielten Passierscheine für einen Besuch in Groß Molzahn. Diese Passierscheine waren aber nicht gültig für die Nachbarorte. Dies führte z.B. dazu, dass auswärtige Angehörige, die anläßlich einer Beerdigung Groß Molzahn besuchten, nicht nach Schlagsdorf fahren konnten, um an der Trauerfeier und der Beerdigung teilzunehmen.

1963-64 wurde ein zweiter Zaun entlang der Straße nach Gadebusch bis zur heutigen B208 errichtet. Der Ortsteil Lankow lag nun im Schutzstreifen und isoliert von der übrigen Gemeinde. 1961 wurde die Gemarkung Lankow der Gemeinde Dechow zugeordnet, so dass Groß Molzahn nicht mehr an der Staatsgrenze lag.

Bis 1972 war das Dorf Lankow noch bewohnt, dann wurde es im Rahmen des Grenzausbaus ab 1972 freigezogen und bis 1976 geschleift. Nur noch einzelne Fundamentreste erinnern heute daran.

Die Gemeinde Groß Molzahn wurde nun unmittelbar in die Überwachung und Kontrolle der Grenzpolizei /Grenztruppe und der Deutschen Volkspolizei (DVP) mit einbezogen. Im Mai 1972 wurde ein neues Grenzgesetz (Gesetz über die Staatsgrenze der DDR) erlassen, in dem auch die Veränderungen des Verlaufes des 5km Sperrgebietes festgelegt waren. In diesem Zusammenhang wurde Groß Molzahn aus dem Bereich der 5 km Sperrzone herausgenommen und gehörte nun zum grenznahen Raum. An der Zufahrtstraße nach Dechow, an der heutigen B 208 wurde eine Kontrollstelle der DVP eingerichtet. Die Gemeinde war aber weiterhin in das Grenzkontrollsystem einbezogen.

Aktualisiert ( Sonntag, den 12. Juni 2011 um 16:17 Uhr )